... und die Naechte laenger. Die Blaubeer-Saison ist vorbei, man kann gelegentlich Nordlichter sehen, die meisten Touristen sind abgereist (was uns ruhige work-sites beschert), die UST-Volunteer-Besetztung ist auf 4 Personen (alle EVS) + Chas geschrumpft, wir sind von unseren Zelten in Huetten und Haeuser gezogen und die Abende werden nicht selten vom Filme-schauen bestimmt. Es ist eine ganze Weile her, dass ich das letzte mal geschrieben habe, und in dieser Zeit ist Island vom Sommer ueber einen ploetztlichen und kurzen Herbst zum fast-Winter uebergegangen. Aber nun alles der Reihe nach. :)
Bei meinem letzten Eintrag (das war Mitte August) war ich mit "meinen" Gorillas im Norden, in Ásbyrgi. Dort sind wir noch eine weitere Woche geblieben und haben riesige (und vor allem sau-schwere) Basalt-Steinbrocken bewegt, um Dettifoss und Selfoss auch fuer unsichere Passanten zugaenglich zu machen. Eine ordentliche Brechstange wird dabei dank der wunderbaren Hebelwirkung der beste Freund... ;) Ergebnis waren schoene, gleichmaessige Naturstufen und -Treppen aus ebendiesen Steinen. Das Wetter uebrigens war ziemlich wechselhaft und hat uns neben Sonne auch so einige verregnete Mittagspausen beschert:

Im Anschluss an diese Woche sind wir alle in den Sueden nach Skaftafell gereist - nicht ohne einen schoenen und kurzen Zwischenstop in einem Wald in den Ostfjorden einzulegen (Hallormsstadur, fuer die Interessierten). Ja, Wald! Unser Zelt- und Grillplatz fuer die Nacht lag in Islands aeltestem und vermutlich einzigem Wald, dessen Baeume mehr als 7m hoch sind. In der Skaftafell-Woche dann - die letzte Woche des Gorilla-Trailteams - konnten wir an einem sehr spannenden Projekt arbeiten: Eine neue Bruecke, direkt unterhalb des Svartifoss. Die alte Bruecke ist sehr klein und muss jaehrlich ueber den Winter herausgenommen werden, da sie dem Schmelzwasser nicht stand haelt. Daher also der Plan fuer eine neue, hoehere Bruecke mit stabilen Pfeilern, die an diese Verhaeltnisse angepasst sind:

Fuer diese Saison sollen nur die Pfeiler gebaut werden, um sie ueber den Winter zu testen. Es kam mir sehr gelegen, dass ich die Pfeiler-Arbeit zusammen mit einem Schreiner leiten durfte... ;) Das Wetter hat uns auch hier nicht gaenzlich verschont, und die Arbeit im Hang wurde durch einen Tag heftigsten Dauerregens zu einer unglaublich rutschigen Schlammschlacht:

Zum Abschied fuer die Gorillas gab es ein Lagerfeuer mitten auf dem fast schon gespenstig kahlen Sander und das obligatorische Lamm-Barbeque. Falls noch nicht erwaehnt: Lamm schmeckt wohl nirgends auf der Welt so gut wie hier... ;)
Die naechste Woche hiess ebenfalls Skaftafell (und weitere Arbeit am Brueckenprojekt), und es hat doch tatsaechlich noch geklappt, dass ich "mein" Eingangs-Trailteam noch einmal wieder treffen konnte, das ich zusammen mit Lee 10 Wochen zuvor in der Trainingswoche geleitet habe. Das hat mich doch sehr gefreut. :) Zum Ende der Woche haben wir EVS-Voluntaere ein paar UST-freie Tage beim Midterm-Meeting verbracht. Das war die gleiche Gruppe mit der wir uns zu Beginn des Island-Sommers fuer das EVS-Training getroffen haben. Diesmal allerdings war uns das Programm sehr freigestellt und der Schwerpunkt lag mehr auf einem Wiedersehen mit den Voluntaeren anderer Programme, die wir den ganzen Sommer ueber nicht gesehen haben. Sehr gemuetlich, sehr entspannt, fast schon wie ein Kurzurlaub. Das Treffen fand uebrigens in einem ehemaligen Internat mitten in der Natur statt, umgeben Pferdewiesen und unendlich vielen Beeren. Das hat mein Sammlerherz deutlich hoeher schlagen lassen, und ich habe stundenlang Beeren gesammelt und anschliessend zig Glaeser voll Marmelade gemacht: Kraehenbeere-Blaubeere und Steinbeere-Apfel. Ganz schoen spannend, wenn man die Haelfte der Fruechte vorher noch nicht mal kannte. Schmeckt uebrigens saulecker! ;)
An diesem Wochenende, genauer gesagt Samstag Abend, dem 3. September, ist der Herbst eingetroffen. Ganz ploetzlich, von jetzt auf gleich. Wir - zu dem Zeitpunkt noch 8 Volunaere - haben alle zusammen in unserem gemuetlichen Haus in Skaftafell einen Film geguckt, in Kissen und Decken gekuschelt, waehrend draussen ein kalter und ungemuetlicher Wind wehte. Und auch die Sonne, die Sonntag Morgen den Rauhreif aufgetaut hat, brachte zwar warmes Licht, war aber definitiv eine Herbst-Sonne. Zack! So schnell geht das hier: Jahreszeitenwechsel in 24 Stunden. Die naechste Woche hat das nur weiterhin bestaetigt: Bei 3C und Regen-Schnee-Wind-kalt haben wir in Ásbyrgi...
--- EINSCHUB: Auf dem Weg von Skaftafell ueber den Osten in den Norden haben wir fuer eine Nacht Zwischenstop in Islands schoenstem Dorf gemacht: Eskifjörður! Die Haelfte des Teams hat dort einen Wanderweg angelegt - und ich muss sagen, ich war schon etwas neidisch auf diese Teamhaelfte, die zudem Eskifjörður fuer nicht sooo unglaublich spannend hielt. Nun denn. Wir sollten zu viert an einem anderen spannenden Projekt in den Highlands arbeiten. Mitten in der Inlandwueste, mit grossem Jeep und so. ;) Dass fiel aber leider kurzfristig ins Wasser, da die entsprechende Ranger-in sich an diesem Morgen das Schluesselbein brach. So endeten wir dann beim Alternativprojekt in Ásbyrgi. EINSCHUB ENDE ---
Also, bei fiesestem nass-kalten Wetter haben wir in Ásbyrgi einen Wanderweg (aka Jungel) von Baeumen und Straeuchern freigeschnitten. Knietiefe Blaubeerbuesche, durch die man fast schon durchwaten musste, haben und nach 15 Min. klitschnass durchweichte Schuhe und folglich eiskalte Fuesse beschert - zusaetzlich zu den sowieso schon ausgekuehlten Haenden in nass-kalten Arbeitshandschuhen. Aber man lernt ja aus Fehlern: Fuer die naechsten Tage haben wir uns mit Gummi-Innenhandschuhen und Plastiktueten in unseren Schuhen ausgestattet. In Kombination mit unseren wirklich guten wasserdichten "Oranges" (guckst du hier und hier) liess es sich doch deutlich besser, angenehmer und waermer arbeiten. Und man darf ja auch die Vorteile des Herbst-Arbeitens nicht vergessen: Wir durften in einem sehr gemuetlichen, grosseltern-aehnlichen Ranger-Haus wohnen, das Sofas und Sessel und eine Dusche im Haus hatte! Man lernt ja doch die simplen Dinge zu schaetzen. ;) In unserem "Garten" (= dem Canyon des Nationalparks) schauten regelmaessig Schafe vorbei, denen wir aus dem Kuechenfenster aus beim Grasen zuschauen konnten. Weiterer Vorteil des Herbstes sind Blaubeeren, die einem das Arbeiten versuessen:

Ich konnte auch hier nicht an mich halten und "musste" noch mehr Marmelade machen. Diesmal Blaubeer-Zimt. ;)
In Ásbyrgi sind wir fuer zwei Wochen geblieben. Das Wetter war nicht ausschliesslich nass-kalt, und auch die Arbeit war im Endeffekt doch recht abwechslungsreich. Der wohl spassigste Job war ein Tag voll kuenstlicher Steinhuegel bei Dettifoss beseitigen, die immer wieder von Touristen in Anlehnung an die urspruenglichen und hunderte Jahre alten Wegmarker aufgehaeuft werden. Konkret sah das so aus: Mit dem Auto eine Schotterstrasse entlang fahren, beim Anblick eines Steinhuegels anhalten, aussteigen, die Steine umkicken, und weiter fahren. Das ganze bei Sonne und strahlend blauem Himmel. :)

Fuer mich gab es noch ein besonderes Ereignis in diesen Wochen: Der September ist in Island die Zeit, in der die Schafe aus dem Hochland zurueck zu den Farmen getrieben werden. Da die Schafe den Sommer ueber frei herumlaufen, muessen sie nach dem Zusammentreiben (Göngur, das wird von Pferd aus gemacht) je nach Ohrmarke und Besitzer sortiert werden (Réttir). Und bei diesem Sortieren durfte ich bei befreundeten Farmern helfen. :) Die Schafe werden in einen grossen Paddock getrieben, der viele einzelne Tueren zu vielen einzelnen Paddocks hat - je Farmer ein Paddock. Und dann gehts los: Schnapp dir ein Schaf, am besten an den Hörnern (islaendische Schafe haben alle Hörner) und ab damit ins richtige Paddock! Das ist fast schon ein Volksfest, alle umliegenden Farmer treffen sich, gross und klein hilft mit, und manchmal sieht es eher so aus, als ob die Kinder auf den Schafen reiten anstatt sie zum entsprechenden Gatter zu leiten. Und ich sag euch, Schafe sind stark, wenn sie nicht in die gleiche Richtung wie man selbst wollen! ;)




Nach diesem unglaublichen Spass waren meine Beine gefleckt wie Leopardenfell von den ganzen blauen Flecken durch die Schafshörner... Aber das war es wert. ;)
In der anschliessenden Woche war unser ganzes Team wieder vereint, und wir haben ganz in der Naehe von Reykjavík auf dem Berg Esja Drainagen auf den Wanderwegen installiert. Ein Vorteil der nahen Stadt ist, dass man da schon mal Pizza essen gehen kann... ;) Gewohnt haben wir uebrigens ganz gemuetlich in einem kleinen Sommerhaus in Hvalfjörður, etwa eine Stunde nördlich von Reykjavík. Fuer die letzten Tage der Woche hat die Haelfte unseres Teams in Laki gearbeitet. Da ich nicht dazu gehörte, konnte ich einen lang gehegten Traum wahr machen: Noch einmal zurueck zur Schaffarm in der Naehe von Ásbyrgi, aber diesmal nicht nur beim Sortieren der Schafe helfen, sondern auch beim Zusammentreiben. Vom Pferd aus. 10 Stunden reiten, durchs Hochland, bei Dauerregen, -nebel und Wind, mit etwa 8 Lagen Klamotten, 3 Paar Socken, 2 Paar Handschuhen, Gummistiefel und Regenkleidung. Wir waren mit 8 Pferden und 2 Autos unterwegs, um in einer Reihe das uns zugeteilte Gebiet zu durchkaemmen, die Schafe dabei vor uns her treibend. Bei solch einem Wetter allerdings ist man groesstenteils allein unterwegs und sieht nur mal hier und da ein oder 2 andere Reiter als Schattenfigur im Nebel. Walkie Talkies sind da eine tolle Erfindung... ;) So kalt und ungemuetlich wie sich das anhört, ich hatte meinen grössten Spass!!! Und spaetestens bei Einbruch der Daemmerung, zurueck auf der Farm, beim Abendessen mit Lamm und anderen Spezialitaeten, aufgenommen inmitten einer unglaublich netten islaendischen Grossfamilie sind Wetter, Kaelte und muede Beine vergessen, man fuehlt sich nur noch wohl und faellt um Mitternacht totmuede und gluecklich in ein frisch gemachtes Bett auf der Farm neuer Freunde. :)
Im Anschluss an dieses tolle Wochenende sind auch die verbliebenen Voluntaere in den Norden gekommen und wir haben zusammen eine letzte Woche in Ásbyrgi verbracht. Mittlerweile sind die meisten Jobs eher Abschlussarbeiten von Aufgaben, die im Sommer nicht fertig geworden sind, oder Zeltplaetze der Nationalparks wintersicher machen. Schön, eine ganze Saison mitzuerleben... :) Damit einher geht auch die Tatsache, dass die Jobs oft nur wenige Tage andauern und wir daher viel hin und her reisen. So haben wir auch im Anschluss an Ásbyrgi einige Tage in Hólar verbracht, einer kleinen Siedlung im Nordwesten Islands, die hauptsaechlich aus einer Landwirtschafts-Uni besteht. Einher mit dieser Uni geht der beruehmte Beer Club, ein winziger Pub mit diversen Bierspezialitaeten. Sogar ich habe dort Bier gefunden das mir schmeckt. ;) Wir haben diesen Ort, dieses Wochenende und den Beer Club nicht umsonst ausgesucht, denn Chas' Geburtstag (unser Boss, aber auch Freund) lag kurz bevor. Und wir wollten doch ein lange geplantes, aus einer verrueckten Idee entstandenes und mit viel Zeit ueber den Sommer hergestelltes Geschenk ueberreichen: Den Spademan Jumper. Ich hatte sehr viel Spass beim Stricken... ;)

Zur Bedeutung: Der Spademan ist das Logo der islaendischen UST-Voluntaere und ist auf saemtlichen T-Shirts abgedruckt. Zur Bedeutung von Islandpullis muss ich wohl nix sagen...? ;) Der ganze Abend war ein voller Erfolg, Chas hat sich sehr gefreut (und WIRKLICH ueber den Sommer nix von der Strickerei mitbekommen - Danke an alle Verheimlicher und Helfer!!!).
Nach Hólar (und diversen Kilometern auf der Strasse, verschiedensten Kuchen-Stops unterwegs und weiteren Voluntaer-Verlusten, so dass wir nun wirklich nur noch 4 + Chas sind) ging es noch mal fuer ein paar Tage nach Skaftafell, sozusagen unserem Heimat-Nationalpark. Erste freudige Entdeckung bei der Ankunft: Der Hot Pot, der den Sommer ueber kein heisses Wasser gespuckt hat, ist wieder repariert! Das kam uns sehr gelegen, nach tagelangem und kraeftezehrendem Auseinandernehmen einer alten Autobruecke (um das Holz wiederzuverwenden) laesst es sich doch in einem 40C Hot Pot gut entspannen. :)
Gemaess unseren regelmaessigen Planaenderungen sind wir auch diesmal nicht so lang wie geplant in Skaftafell geblieben. Aber auch hier kam uns das nur zugute: Zwei kurze Tage in Landmannalaugar, dem beruehmten heisse-Quellen-Gebiet im Hochland, um dort die bewirtete Saison abzuschliessen und alles winterfest zu hinterlassen. Offiziell ist die Strasse dorthin schon gesperrt, weshalb wir vom letzten dort verbliebenen Ranger mit einem Superjeep abgeholt wurden, um den Schneeverwehungen und dem deutlich eingetroffenen Winter zu trotzen. Ein seltener und surreal schöner Anblick: In der tiefblauen Abenddaemmerung unter Sternenhimmel und Vollmond durch eine eingeschneite Bergwueste... Ein Bad in den heissen Quellen bei selbigem Anblick haben wir uns anschliessend natuerlich nicht nehmen lassen. ;) Als ob unser naechster Arbeitstag die Schönheit der Nacht wett machen muesste, haben wir mal wieder in Sturm und Schneeregen gearbeitet. Ohne unsere Oranges waeren wir bestimmt schon an Unterkuehlung und Durchnaessung gestorben... Aber richtig vorbereitet macht selbst das Spass. Und wer kann schon von sich behaupten, Skier unter einge Bruecke geschraubt zu haben, um sie dann - hinter dem Superjeep her - zur Wintersicherheit an Land zu ziehen? ;)
So, nun bin ich nach diesem laaaaaangen Artikel in der Gegenwart angekommen. Wir sind derzeit in Reykjavík und haben ein paar Tage Urlaub, um uns Iceland Airwaves anzuschauen, ein ueber Islands Grenzen beruehmtes Festival. Wir haben zwar keine offiziellen Tickets, aber den ganzen Tag finden ueberall kleine, kostenlose Konzerte statt. Man muss wortwörtlich nur die Strasse entlang laufen und trifft permanent auf Musik. Auch hier trifft das islaendische Motto wieder zu: Besser nicht zu viel planen und die Gelegenheiten beim Schopf fassen, die einem einfach ueber den Weg laufen. Ich hab schon einige gute neue Musik kennen gelernt, und da mein Gespartes ja nicht fuer ein Festivalticket herhalten musste, unterstuetze ich die Musiker derzeit durchs CD-Kaufen. ;)
Das Festival geht noch bis heute Abend und ab Morgen sind wir wieder zurueck bei der Arbeit. Was und wo weiss ich noch nicht, aber Ueberraschungen sind hier selten schlecht. Also abwarten, Kuchen essen und Tee trinken. Und Musik hoeren. :)
Völlig ausserhalb eines Kontextes möchte ich euch meine Bekanntschaft mit Islands einzigem Neufundlaender nicht vorenthalten:

Ich brauche nicht zu erwaehnen, wie viel Spass ich hatte, oder? ;)
Nach meinem langen Aufenthalt im Sueden Islands ging es dann vor drei Wochen endlich auf in den Norden Islands, und zwar als Leader eines (fuer mich) neuen Trailteams. Ich war doch sehr gespannt, wie die Arbeit mit diesem Team laufen wuerde, da es hier als "die Gorillas" bekannt ist. Heisst: Grosse, stark, laut, Competition, ... Ein Team voller Schraenke, wie ein Auto mit zu viel Power, das - einmal gestartet - nicht so einfach zu handhaben ist. Nun denn, eine neue Herausforderung! ;) Sobald ich die Leute aber kennen gelernt habe, stellte sich aber heraus, dass der ganze Elan zwar laut, aber sehr freundlich und extrem integrierend ist, und dass es sich mit diesem viel-PS-Auto durch viel Wissen und Technik sehr gut arbeiten laesst. :)
Meine erste Woche im Norden war dann Myvatn, der Mueckensee (von denen sind wir aber Gott sei Dank grösstenteils verschont geblieben.). Wir haben grösstenteils in Dimmuborgir gearbeitet und dort die Wanderwege "wheel chair proof" gemacht: Kleinere und grössere Lavabrocken, die in die Wege hineinragen, mit einer Brechstange zertruemmern und anschliessend die produzierten Löcher wieder auffuellen.
Vorher:
und nachher:
Ausserdem haben wir einen Nachmittag lang Cow Parsley, neben den Lupinen eine weitere invasive Pflanze, entlang eines Flusses beseitigt. Das war mit etwa 27°C und praller Sonne der wohl gefuehlt waermste Tag, vor allem, da ich immer noch meine Winterhose anhatte... o_O Das anschliessende fast huefttiefe Flussfurten um den 5 km langen Rueckweg zu vermeiden kam da ganz gelegen. ;)
Die naechste Woche ging etwas spontan wieder halb zurueck in den Suedwesten, zu einem Krater namens Grábrok, etwa 2h Fahrt nördlich von Reykjavik. Dort wurde kurzfristig ein starkes Volunteer Team benötigt - und das konnten wir mit den Gorillas natuerlich bieten. ;) Die Arbeit dort war ziemlich interessant: Moos transplantieren. Von dicht bewachsenen Flaechen werden - möglichst grosse und möglichst zusammenhaengende - Moosstuecke entnommen und auf ungewollten Trampelpfaden oder zerstörten Moosflaechen wieder eingesetzt. Moos waechst extrem langsam, so dass von Touristen aus Spass ausgestochene Zeichen sehr lange (= viele Jahre) sichtbar bleiben. Um diese Schaeden zu reparieren und vor allem Nachahmer zu verhindern, haben wir also Moos transplantiert. :) Und so sieht ein fertiges Stueck Moos aus, das auf einer "Holzbahre" transportiert wird:

Neben dem Transplantieren haben wir noch einige Zaeune erneuert, fuer die wir mit einer ordentlich dicken Bohrmaschine, gespeist mit einem ordentlich kraeftigen Generator, in ordentlich dicke Lava bohren mussten. Das laesst man sich doch nicht zweimal sagen! ;) Unser Camp waehrend der Arbeit in Grábrok uebrigens war ein totales Wildernes Camp: In mitten auf einem Feld, unweit des Kraters. Toilette: Im Busch hinter dem Camp. Wasser: Aus dem Fluss nebenan. Besucher: Schafe anstatt grosser Touristengruppen. ^^ Das hat unglaublich viel Spass gemacht und steht auf meiner Liste der besten be-zelteten Plaetze ziemlich weit oben. Am ersten Abend haben wir, da das Kuechenzelt noch nicht aufgebaut und das Wetter gut war, unter freiem Himmel gekocht:

In Grábrok habe ich uebrigens auch das erste mal reife Blaubeeren gefunden! Noch sind sie etwas sauer, aber das wird Woche fuer Woche besser. :)
Das anschliessende Wochenende - nun eine Woche her - habe ich durch personelle Logistik einen unerwarteten Road Trip bekommen. Myvatn (Norden) - Skaftafell (Sueden) - Ásbyrgi (Norden), 1100 km in 2 Tagen. Lange Fahrt, aber dafuer durch die wunderschönen Ostfjorde, noch dazu in bestem Wetter, mit einem leckeren Stop in einem mir bekannten guten Café, wo ich Waffeln mit heissen Kirschen und Sahne gegessen habe... ;)
Und damit bin ich wieder up to date: Seit einer Woche sind wir in Ásbyrgi, einem wunderschönen Nationalpark mit steilen Felsklippen, einem riesigen Gletscherfluss und saemtlichen möglichen Landschaften Islands auf engstem Raum. Die Arbeit hier ist generelle Wanderweg-Restaurierung wie Stufen erneuern, Planken-Bruecken bauen und sonswie den Wanderern das Leben einfacher machen - selbstverstaendlich immer mit grandiosem Blick auf die tolle Landschaft. ;) Ásbyrgi steht fuer mich ziemlich weit oben auf der Skala der beeindruckenden Orte... (Fotos folgen, sobald ich sie meiner Kamera entreissen kann) Die viele Sonne, die wir hier in den letzten Wochen geniessen konnten, hat lange Mittagspausen mit Mittagsschlaf und Radtouren am Abend durch den Canyon gefördert. :) Ach, und bevor ich es vergesse: Ásbyrgi ist innerhalb der Volunteers bekannt fuer seine unglaublich netten und ziemlich gut aussehenden, jungen Ranger - alles Maedels. Das kommt den Gorillas ganz gelegen. ;)
PS: Um zu grosse Neider bzgl. der Bilder und des Wetters zu vermeiden: Seit heute haben wir Regen, Wolken, Nebel, Wind, kalt... und das soll sich in der naechsten Woche auch nicht aendern. Das heisst fuer unsere Arbeit: Ab zurueck in unsere "orangen Uniformen", die Ölklamotten, dick einpacken abends im Kuechenzelt, kaum trocknende Handtuecher und nasse Schuhe am Morgen. Auch das gehört dazu. Allerdings lernt man so auch die luxuriösen Trockenschraenke in Ásbyrgi zu schaetzen. ;)
Zur Abwechslung gibts heute von mir mal wieder ein paar neue Bilder der letzten Wochen. Halbwegs chronologisch fange ich mit Elgjá an, dem Ort im Hochland, an dem wir Steinstufen aus Lava gebaut haben. Die sehen, wenn sie fertig sind, so aus:

Die Stufen selbst sehen so klein aus, aber sie reichen etwa 3-4 mal so tief in den Boden (= ins Moos) und wiegen schon mal ueber 100kg!
Eldgjá selbst ist eine Vulkanspalte, die von einem Berg unterteilt wird. Dessen Name Gjátindur bedeutet wörtlich "Spaltengipfel", und vom Gipfel aus hat man einen atemberaubenden Blick in beide Spalten-Richtungen:

Nun ja, in solch einer Landschaft laesst es sich dann doch ganz gut arbeiten... ;)

Im Anschluss an Eldgjá hier noch einige Fotos aus meinen vielen Wochen in Þórsmörk, mit vielen verschiedenen Aktivitaeten.
Básar, das Camp in dem ich gewohnt habe (bzw. auf dem Zeltplatz daneben):

Ganz oft super Wetter, so dass man ab und zu sogar draussen mit tollem Blick fruehstuecken konnte:
Und das natuerlich mit meinem "neuen" Lieblingsfruehstueck: Porridge mit Muesli, Milch und Blaubeermus. ;)
"Special Treat" nach einem langen Arbeitstag: Tee und Zimtschnecken. ;)

Ein Stufen-Kuchen, den Clair und ich von unserem 2-Wochen-Team zum Abschluss und als Dankeschön gebacken bekommen haben, in Anlehnung an unsere Arbeit. Sau lecker war der! ;)
Das sind ein paar Ergebnisse unserer Arbeit:
Und dann noch ein paar tolle Landschaften:


Zum Abschluss noch ein Beweisfoto, dass das Wetter bei der Wanderung ueber den Fimmvörðuhálspass aus Þórsmörk raus wirklich so schlecht war wie beschrieben, und dass man ueberhaupt gar nichts von der theoretisch tollen Aussicht hatte:
Leider gibt ein Foto den ohrenbetaeubenden Wind und die Schwierigkeit, fuers fotografieren ueberhaupt erstmal gerade stehen zu bleiben, nicht glaubhaft wieder...
Ob man es glaubt oder nicht, ich habe doch noch einmal ein Internet gefunden! Entschuldigt die lange digitale Abwesenheit, aber ich muss gestehen, ich geniesse es durchaus, mal eine Weile ausschliesslich analog und im Real Live unterwegs zu sein... ;)
Es sind nun also 6 Wochen (!!!), in denen ich nicht gebloggt habe. Lustiger-, interessanter- und schönerweise habe ich 5 Wochen davon in meinem heiss ersehnten Þórsmörk verbracht! Wegen der Grimsvötn-Asche wurden viele Projekte aus Skaftafell dorthin verlegt, und ich habe durch Zufall immer genau diese Projekte erwischt... ;) Eigentlich ist es nicht gedacht, dass wir so viel Zeit an einem Ort verbringen, aber in diesem Fall hat es sich eben so ergeben. Und ich muss sagen, ich habe ein neues Zuhause in Island gefunden. :) Der Ort, die Berge, die Huette, die Huttenwarte, der Wald, die Aussichten, die Gletscher, die Sonnenuntergaenge, die quietschenden Holzwege, die atemberaubende Strasse mit vielen Furten, viele, viele, viele Stufen- und Trailwork ... ich könnte wahrscheinlich endlos weiter erzaehlen. Þórsmörk ist eine Welt fuer sich, in der Geld und digitales/elektrisches Leben kaum Bedeutung haben. 3 100-Kr-Stuecke bedeuten 4 Minuten warme Dusche, aber ich kaeme nie auf die Idee, dass man damit in der "aeusseren Welt" auch etwas im Supermarkt kaufen könnte. ;) Mit 4 verschiedene Teams habe ich dort gearbeitet, jedes mit seinen Eigenheiten, Schwierigkeiten, Besonderheiten und Lösungen. Sehr viel habe ich gelernt! Anscheinend bin ich ganz gut fuer Gruppenleitung zu gebrauchen. ;) Im Endeffekt habe ich sogar meine halbe Urlaubswoche dort verbracht, in der Flo mich besucht hat. Dann haben wir direkt noch ein Abenteuer angehaengt: Raus aus Þórsmörk sind wir ueber den Fimmvörðuháls Pass gewandert, der fuer seine Wetterkapriolen bekannt ist. Und er hat sich auch prompt von seiner "besten" Seite gezeigt: Regen, Neben, Sturm, kalt. 2 Tage am Stueck. Wir haben in mitten der Schneefelder im dichten Nebel fast den Weg verfehlt, und waren froh, auf der Pass-Huette (der offiziellen, nicht der schimmeligen Nothuette) einen Platz reserviert bekommen zu haben. ;) Nach dem 2. Wandertag war ich wortwörtlich bis auf die Haut nass und sehr froh um eine trockene Unterkunft in Reykjavík und ein paar weitere einfache, trockene, sonnige Tage hier in der Stadt. Natuerlich mit Babalú Cheesecake. ;)
Die einzige nicht-Þórsmörk-Woche soll nicht unerwaehnt bleiben: Eldgjá! Ein Platz im Hochland, unser Team mit 5 Leuten + Warden + Ranger, abgeschnitten vom Handysignal und noch mal eine eigene Welt in der Island-Welt. Wir haben dort aus mannsschweren Lavablöcken Steinstufen gebaut, unter der Leitung des Rangers. Der uebrigens ist ein ziemlich lustiger Mensch (und einer der wenigen, mit denen ich endlich mal wieder islaendisch geredet habe), der seine Arbeit durch und durch liebt. Kochen kann er auch: Wir sind an einem Abend zu einer super Lammkeule und Rotwein eingeladen worden. ;) Wenn alles so kommt wie geplant (was man hier ja nie weiss), dann komme ich im September noch mal dorthin zurueck: Um beim jaehrlichen Schafsabtrieb zu Pferd mitzuhelfen! *hint* ;) Ich hoffe sehr, dass das klappt. :)
Puh ... jetzt habe ich nicht von meinem ersten Einsatz als Ersthelfer erzaehlt, nicht vom Krankenhaus-Begleiter-sein fuer eine Nacht (und ich bin nicht mal umgekippt im Krankenhaus ;) ), nicht von Ingi und Þyri, den wunderbaren Wardens in Þórsmörk, nicht von den vielen kleinen und grossen Wanderungen ... ach, es gibt so viel, was es noch zu erzaehlen gaebe! Aber gut. Frueher oder spaeter und hier oder da wirds noch mehr Geschichten geben. :) Morgen frueh fahre ich in den Norden, nach Myvatn und Ásbyrgi. Darauf freue ich mich schon ziemlich lange! Ausserdem gibts da den secret Hot Pot, die einzige Sache, die in Þórsmörk wirklich fehlt... ;) Wie lange ich bleibe weiss ich noch absolut nicht. Planungen sind hier sehr kurzfristig. Wenn ein Internet mal wieder meinen Weg kreuzt, werde ich berichten! Ich hoffe, das werden dann nicht wieder 6 Wochen sein. ;)
Und weils so schön war und ich mich so freue, dass ich endlich Fotos aus der Kamera ueber den USB-Stick auf den Rechner bekommen habe, gibt es hier noch einige aeltere Bilder:

unser EVS-Team


Stykkisholmur

schön markiertes und aufgereihtes Werkzeug fuer unsere taegliche Arbeit.
Nach diesem wunderbaren Þorsmörk-Trip bin ich uebrigens - fuer eine sehr kurze Nacht und eine sehr gute Hummersuppe beim See Baron - nach Reykjavík gefahren, um frueh am Sonntag Morgen Richtung Skaftafell aufzubrechen. Von dort geht es morgen frueh (also gleich) nach Eldgjá, einer Lavaspalte auf halbem Wege ins Hochland nach Landmannalaugar. Diese Strasse ist noch nicht Sommer-geöffnet, das wird also spannend. :)
Auf dem Weg von Reykjavík nach Skaftafell gab es noch eine bemerkenswerte Anekdote: Mein Chef, mit dem ich unterwegs war, sollte "kurz" einen Zaun mit Betreten-Verboten-Schild an einem geschuetzten Gebiet anbringen, das wegen der Brutsaison fuer einige Wochen fuer Touristen geschlossen ist. Nun gehört dieses Land verschiedenen Farmern mit verschiedenen Interessen: Die einen möchten das Land frueh wieder zugaenglich machen, die anderen nicht. Nun ja, sagen wir mal, wir waren nicht allein beim Kette-Anbringen. Wir haben Besuch bekommen von der entsprechenden Farmer-Gang, die mit einem höhnischen Lachen und einem grossen 4x4 samt Anhaenger die aufgestellten Pfeiler platt gefahren hat und Kette, Seile und Schilder auseinander- und mitgenommen hat. Uns friedlich Widerstand Leistenden blieb (neben Wortgefechten, Fotos machen und Filmen) nichts anderes uebrig, als die Polizei zu rufen - die dann nach 1,5h auch endlich kam, nur um nichts ausrichten zu könen / wollen, denn das "Oberhaupt" der Land-Öffnungs-Farmer ist ein ehemaliger Polizist. O_o Immerhin hat das ganze ziemlich an Öffentlichkeit erreicht und war in den lokalen Medien, so dass sich die Aktion hoffentlich gelohnt hat. Ich bin gespannt.
(Ich freue mich heute, endlich mal von einem islaendischen Computer zu schreiben, da kann ich immerhin - ohne langes Code-Suchen - die islaendischen Buchstaben richtig setzen! ;) )
Aber erstmal zum Thema: Þorsmörk!!!!!
Beziehungsweise, eigentlich muss ich noch einen Schritt zurueck gehen: Flughafen in Copenhagen! Denn da, auf dem Rueckweg von Luzern nach Island (der Vulkan war Gott sei Dank still und alle Fluege waren puenktlich), habe ich im gottverlassenen Flughafen um 23 Uhr am Gate des Fliegers nach Reykjavík völlig unerwartet eine gute Freundin getroffen, die ich vor 2 Jahren bei der Freiwilligenarbeit beim Umweltamt kennen gelernt habe. Natuerlich auf dem Weg nach Island. ;) Ich glaube, ich hatte noch nie einen gefuehlt so kurzen Flug! ^^ Des weiteren kann ich noch mit einem SonnenAUFGANG im WESTEN aufwarten, denn wir sind hinter der Sonne hergeflogen und haben sie dabei eingeholt ... :)
Zurueck in Island gab es fuer mich eine ziemlich kurze Nacht mit ziemlich fruehem Aufbruch nach Þorsmörk. Ich war so froh, endlich wieder bei meiner EVS-Famillie zu sein! :) Ausserdem hatten wir noch gute Gesellschaft eines weiteren Langzeit-Island-Voluntary-Abhaengigem, mit dem wir die Woche zusammen verbracht haben. Ich versuchs mal in kurzen Worten: Die Woche war kaum schlagbar. :)
Tolles Wetter

super Landschaft

kalte Naechte

gute Arbeit


und eine super funktionierende Gruppe mit ziemlich viel Spass

Oder ich sags mal anders, in kurzen Worten: Ich kann jetzt Poker und mag Whisky. ;)
Am Kopenhagener Flughafen hat mich jemand für eine Umfrage gefragt, was der Zweck meiner Reise sei, und ich habe das erste mal "business" gesagt (mit einer Mischung aus Stolz und Merkwürdigkeit ...). Und das kam so:
Meine Diplomarbeit wurde vom Deutschen Talsperrenkommitee (DTK) mit einem Reisestipendium zum International Congress on Large Dams (ICOLD) "belohnt". Dieser Kongress fand in der letzten Woche in Luzern, Schweiz statt. Die netten Menschen des DTK haben auch meine Anreise von Island aus bezahlt ... ;) So bin ich also Sonntag früh über Kopenhagen (mit einem tollen Zwischenstop und grandiosem Flughafen-Kuchen-Picknick mit Teresa ^^) nach Zürich geflogen, und habe dort - durch einen verspäteten Flieger - noch so haarscharf eben den letzten Zug nach Luzern bekommen. 18 Stunden Reise ... Da war ich doch froh, dass das DTK ein nettes Hotel für die Hotel-völlig-unerfahrene Anna gebucht hat! Ich komme mir immer noch etwas komisch bei diesem Komfort vor. ;) Man sollte übrigens meinen, dass man zu so einem internationalen Kongress auch ordentliche und schicke Klamotten mitbringt. Wäre auch so gewesen, wenn das geplante Paket mit entsprechendem Inhalt nicht auf dem Weg von Deutschland in die Schweiz in der Post hängen geblieben wäre ... Immerhin hatte ich das schon einen Tag vor Abflug erfahren und mir eine bunte Mischung halbwegs zu solch einer Veranstaltung tragbarer Sachen zusammengeliehen - das letzte Zubehör von Teresa noch am Kopenhagener Flughafen. Im Endeffekt waren wir (= die zweite Stipendiatin und ich) gar nicht so verloren, da wir zwischen den grossen Firmen und wichtigen Leuten ja in gewisser Weise die Studenten repräsentiert haben. Und da darf man auch mal mit einer Outdoorhose statt Nadelstreifen rumlaufen. ;)
Der Kongress an sich war sehr spannend. Wir haben den DTK-Stand betreut, jede Menge Menschen kennen gelernt (von denen man zu Anfang immer noch nicht weiss, wie wichtig sie eigentlich sind), viel kostenloses Kongress-Info-Sammeln betrieben und hier und da mal in wichtige Gremien und Kommitees reingeschnuppert. Nebenbei haben wir übrigens den Altersdurchnschnitt um so einiges gesenkt!
Zusätzlich zu den offiziellen Programmpunkten durften übrigens wir am gesamten Rahmenprogramm teilnehmen: Empfang am ersten Abend, Deutscher Abend (= Essen gehen mit den deutschen Teilnehmern), Symphoniekonzert des Luzerner Symphonieorchesters, Exkursion in die Südschweiz zu zwei Dämmen und heute Abend noch ein Farewell Dinner - selbstverständlich auf einem Schiff auf dem See. ;) Wir werden hier also von vorn bis hinten versorgt, kommen von einem Essen zum nächsten, schauen uns Luzern an, haben keine Ausgaben und müssen als Gegenleistung lediglich "präsent sein" und Interessierten unsere Diplomarbeiten erklären. Könnte schlimmer kommen. ;)
Jetzt ist die Kongresswoche schon fast wieder vorbei, und ich freue mich riesig, morgen Nachmittag wieder zurück nach Island zu meiner EVS-Familie zu fliegen (sofern der Vulkan ruhig bleibt!!! *hoff*). Am Ende bin ich doch wirklich mehr fürs Zelten und draussen-leben zu haben ... ;)
Und dementsprechend wird dann auch die nächste Woche losgehen: Am Sonntag früh werden wir direkt nach Thorsmörk aufbrechen! Juchuuu! Die Island-Erfahrenen unter euch werden wissen, dass dieser Ort ein Stück Landschaftsparadies zwischen Gletschern ist, bewaldet und bewachsen, berühmt für seine Schönheit (der Name bedeutet Wald des Thor, also ein Götterwald) und seine Einsamkeit, und auch für seine schwierige Erreichbarkeit, da einige Gletscherflüsse gequert werden müssen. Zu dieser Jarheszeit ist dort noch kein einziger Mensch anzutreffen, und ich würde mich nicht wundern, wenn wir mit einem Super Jeep reisen. Vor 2 Jahren waren mehrere Anläufe nach Thorsmörk (sowohl zu Fuss als auch per Auto) aus verschiedenen Gründen nicht von Erfolg gekrönt, so dass ich mich umso mehr freue, dass dieser lang gehegte Wunsch jetzt in Erfüllung geht. Das war auf keinen Fall selbstverständlich: Das komplette letzte Jahr konnte dort wegen der Asche des Eyjafjallajökull keine Arbeit verrichtet werden, und fast hätte die neue Asche des Grimsvötn uns auch diesmal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber anscheinend klappt diesmal alles! Ich freu mich wie ein Schneekönig und werde berichten - irgendwann. ;)
Wie "versprochen" habe ich nicht regelmässigen Internetzugang, und die letzten zwei Wochen sind die ersten Auswirkungen davon. Also gibt es jetzt ein paar Nachträge.
Die vorletzte Woche - also die nach dem Vulkanausbruch - hat etwas tatenlos angefangen, da wir wegen zu hoher ppm-Werte nicht draussen arbeiten konnten. 2 spontane Urlaubstage im Hostel ... Nun ja, kann man nix machen, wir haben uns ja alle aktive Natur gewünscht. ;) Dienstag dafür wurde es wieder spannender: Der Empfang der Britischen Botschaft. Ca. 30-40 Leute, angeführt vom britischen Botschafter und der isländischen Umweltministerin. Wir 4 EVS-Voluntäre haben die vielen hundert Freiwilligen vertreten, die über das Jahr nach Island kommen ... Ganz schön wichtig (und etwas underdressed ;) ) kamen wir uns vor! Aber anscheinend haben wir einen guten Eindruck hinterlassen: Die Umweltministerin hat sich am Tag darauf persönlich bei unserem Chef für unser Erscheinen bedankt und unsere Motivation und unseren Einsatz gelobt. Herzlichen Dank! :) Ganz nach isländischer Art hat der Empfang übrigens im Haus des britischen Botschafters statt gefunden. Hier steht etwas über den Empfang auf der Homepage der British Embassy. Die anschliessende Einladung des Umweltamtes in ein sehr gutes Fischrestaurant haben wir übrigens auch nicht ausgeschlagen ... ;)
Im Anschluss an diesen offiziellen Tag konnten wir dann auch endlich wirklich losarbeiten: Schnee schippen am Myvatn, im Norden Islands. Einige der dort für Wanderer errichteten Boardwalks werden durch Schnee im Winter beschädigt, und um das Ausmass festzustellen und entsprechend notwendige Massnahmen festzulegen, mussten wir die Boardwalks ja erst mal finden! Also Spaten und Schaufel und ab in den Schnee. Es hat wirklich 5 Leute und den ganzen Tag gebraucht, bis wir die 50m, 1 - 1,5m tiefen Schnee freigegraben hatten. Nun ja, es gibt schlimmeres: Blauester Himmel, schönste Sonne und kein Wind. T-Shirt und Sonnenbrille waren völlig ausreichend. Dass auch Sonnencreme notwendig gewesen wäre, habe ich dann erst am Abend festgestellt: Ich kann jetzt sagen, dass meine neue Sonnenbrille so perfekt passt, dass mein Gesicht sich gestochen scharf rot-weiss voneinander abgesetzt hat! Ja ja, beim nächsten mal denk ich wieder an die Sonnencreme ... o_O Uebernachtet haben wir übrigens direkt am See in einem winzig kleinen, Oma-ähnlichen Ranger-Haus, in dem wir ausgiebig die Stille auf dem Land geniessen konnten. Oh, und bevor ich es vergesse, geniessen konnten wir natürlich auch Islands tollste natürliche heisse Quelle, die nicht viel mehr als eine 1,5m breite und 10m tiefe Felsspalte ist (Kletterweg!), an deren Grund ein halbwegs unterirdischer See (noch um einiges tiefer) mit gut 40°C Wassertemperatur anfängt ... So lässt sich ein Arbeitstag durchaus ausklingen! ;)
Nach 2 Tagen war unsere Arbeit dort auch schon erledigt und ich habe mich das erste mal von meiner EVS-Gruppe getrennt, da für mich eine Urlaubswoche anstand. Ganz schön seltsam, nachdem diese Leute gerade so etwas wie meine Familie darstellen ... Aber gut. Auf gings nach Reykjavik, und im nächsten Artikel gibts mehr über die Urlaubswoche. :)
Fuer alle Interessierten hier mal ein paar nette Bilder von Boston - The Big Picture zum aktuellen Vulkanausbruch hier in Island. Dazu muss ich sagen, dass man in Reykjavik nicht sooo viel davon mitbekommt, wie es auf den Bildern aussieht ... Verdammt, ich moecht schon gern direkt mal da sein! ;)
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